Bonita Open Solution macht einen soliden Eindruck

Vor ein paar Tagen habe ich mich mit Bonita beschäftigt und einen kleinen Beispielprozess erstellt. Hier möchte ich nun meine Eindrücke schildern. Eine kostenlose Version der BPM Suite kann man sich unter www.bonitasoft.com herunterladen.

Das Produkt lässt sich für eine Demo schnell auf einem Windows-Rechner installieren. In der Installation enthalten sind:

  • Bonita Studio – Client-Tool zum modellieren der Prozesse und Formulare
  • User Experience – Web-GUI für die Process Engine
  • Admin-Konsole – Web-GUI für die Administration der Prozessklassen und -instanzen
  • Eine kleine Datenbank für die Prozessdaten

Bonita Studio

Die Modellierungsumgebung basiert auf Eclipse RCP Version 3.6.0. Direkt nach der Installation werden einige Beispielprozesse angeboten oder man kann einen eigenen Prozess neu erstellen. Ich habe mich entschieden direkt einen eigenen Prozess anzulegen und mit dem Intro Tutorial ein erstes Gefühl für Bonita zu bekommen. Das Tutorial ist ausführlich beschrieben, es sind aber 2-3 kleine Fehler enthalten, die dazu anregen selber nachzudenken J.

Die Modellierung der Prozessmodelle geht zügig, da die Anwendung gut durchdacht ist. Das Anlegen neuer Objekte, Daten und Attribute ist schnell erledigt durch die PopUp-Funktionalität, wenn man den Mauszeiger über ein Objekt bewegt. Die Prozessmodelle sind in BPMN und es stehen fast alle Möglichkeiten der Notation zur Verfügung. In einem Projekt kann man mehrere Pools unterbringen und so verschiedene Prozesse über Message-Flows verbinden. In einem meiner Beispiele habe ich auch einen Start-Timer verwendet, der einwandfrei funktioniert hat. Einen Test den ich immer wieder gerne mache ist die Synchronisation zwischen parallelen Aufgaben:

Step 2 und 3 können parallel ausgeführt werden, Step 3 und 5 auch. Step 3 darf aber erst beginnen, wenn Step 2 UND 4 erledigt ist. Dieses Modell lässt sich in Bonita abbilden und ausführen. Da ich aber nur eine lokale Installation habe und somit immer nur mit einem User an der Web-Gui angemeldet sein kann konnte ich nicht final feststellen, ob das Parallelisieren der Aktivitäten Step 3 und Step 5 funktioniert oder ob diese wie bei Intalio seriell ausgeführt werden. Der Prozess lässt sich auf jeden Fall ausführen. Andere Tools sind hier schon gescheitert (z.B. BizAgi).

In der kostenlosen Edition ist es ein wenig aufwendiger die Formulare für „Human Tasks“ zu gestalten, da man z.B. ähnliche Formulare für jeden Task komplett neu anlegen muss. In der Subskription Package (SP) Version soll es möglich sein sich Formularvorlagen zu erzeugen.

Die Verwaltung der Prozessvariablen ist schon etwas aufwändiger. Hilfreich ist hier die Unterstützung von XML und Java. Man kann damit seine Variablen in XML beschrieben (XSD) und dann in Bonita mit XPath verwenden. Oder man definiert Java-Klassen, die dann ebenfalls über Java angesprochen werden. Für die Datentransformation kann man Groove-Skript verwenden oder Java. Leider existiert kein graphischer Mapper (wie z.B. in Intalio) um komplexe Datenstrukturen schnell und übersichtlich zu mappen und manipulieren.

Die Anbindung externer Systeme (Datenbanken, SAP, WebService, SugarCRM, Talent, und vieles mehr) erfolgt über einen Wizard. Ich habe in meinem Beispiel lediglich den Datenbank-Adapter verwendet. Hierbei werden SQL-Kenntnisse benötigt, da das SQL Statement manuell eingegeben werden muss um relevante Daten aus einer Datenbank zu laden. Ich hatte ein wenig Probleme die Daten aus der Datenbank den Bonita Prozessvariablen zuzuordnen. Habe aber mit ein wenig suchen im Forum und „Try-and-Error“ folgendes herausgefunden:

Mit rowSet.toList(„<Datenbankfeld>“).getAt(0).toString() lassen sich zumindest die Einträge aus der ersten Zeile des SQL-Response direkt in die Prozessvariablen schreiben. Wenn man mehrere Zeilen bearbeiten möchte empfiehlt sich die Verwendung von Java-Objekten, denen man das gesamte rowSet zuordnen kann.

Beim Deployment der Prozesse ist mir aufgefallen, dass man selber auf die Version der Prozesse achten muss. Deployt man einen Prozess ohne die Versionsnummer zu ändern, werden alle laufenden Instanzen zu diesem Prozess gelöscht.

User Experience

Das Web-Frontend für den User ist übersichtlich gestaltet. Man sieht seine aktuellen Tasks und kann diese auch Kategorisieren. Im Prozessmodell definierte Laufzeiten führen dazu dass einzelne Prozesse automatisch als Zeitkritisch oder Überfällig markiert werden. Mich stört aber, dass man keine Möglichkeit hat den „Posteingang“ zu sortieren. Alle offenen Prozesse werden chronologisch absteigend sortiert, also ist immer die neueste Prozessinstanz ganz oben. Wenn man Prozessinstanzen der Reihe nach abarbeiten möchte (First in, First out), muss man von unten nach oben arbeiten. Auch eine Sortierung nach Priorität ist nicht möglich.

Wählt man eine Prozessinstanz aus ist die Web-GUI zugig und zeigt die zugehörigen Formulare an. Der Anwender hat stets die Möglichkeit zusätzliche Informationen und Kommentare zum Prozess zu erfassen.

Die Auswertungsmöglichkeiten des Business Activity Monitoring sind in der kostenfreien Version recht spärlich. Man kann lediglich sehen wie viele Prozesse

  • Termingerecht, Zeitkritisch, Überfällig
  • Normal, hoch oder sehr hoch priorisiert

sind.

In der SP Version können auch für den normalen Anwender weitere Reports erstellt werden, die auch Prozessbezogene Variablen beinhalten können (z.B. Anzahl offene Aufträge > 50.000 € Bestellwert).

Der Administrator hat ein paar zusätzliche Möglichkeiten. Es können diverse Berichte zu den einzelnen Prozessen erstellt werden. Die Berichte lassen sich jeweils über einen Zeitraum eingrenzen. Hier eine Auswahl der Berichte:

Fazit

Bonita macht einen soliden Eindruck um schnell Prozesse zu erstellen mit denen Daten von A nach B übermittelt werden und bei denen ggf. Benutzerinteraktion notwendig ist. Durch die breite Anzahl an Adaptern sind verschiedene Systeme schnell angebunden. Die Unterstützung von BPMN in der Modellierungsumgebung ist gut. Wobei auf dem Server wird der Prozess zwar in XML abgelegt, dieser entspricht aber nicht dem BPMN 2.0 Schema.  In der kostenfreien Version vermisst man einige Features die beim Einsatz in Unternehmen Zeit und Geld sparen können (Stichpunkt Wiederverwendbarkeit). Der Benutzer GUI fehlen noch ein paar nützliche Features, z.B. das Sortieren, es ist aber grundsätzlich ein nutzbares Produkt. Das habe ich bei anderen kostenfreien Produkten (Community Editionen) schon ganz anders erlebt. Ein schönes Beispiel für die Implementierung eines Prozesses ist auch bei Dr. Thomas Allweyer zu finden (Paper zum Download: Business Collaboration mit einem BPMS).

Ich finde Bonita stellt gut dar, welche Fähigkeiten moderne BPM Suiten heutzutage abbilden und wie schnell man damit Prozesse produktiv nehmen kann. Ich werde es weiter im Auge behalten.

Commentary

Leave a response »

  1. 1. September 8th, 2011

    Ich möchte an dieser Stelle kurz auch das neue Workflow Projekt ‘Imixs Office Workflow’ vorstellen.

    Imixs Office Workflow ist eine moderne Workflow Suite mit der Geschätsprozesse und Arbeitsabläufe unternehmensweit abgebildet werden können.
    Die Open Source Lösung basiert auf der ebenfalls frei verfügbaren Workflow Engine ‘Imixs Workfow’ und zeichnet sich besonders durch seine Plattformunabhängigkeit und hoch skalierbare Architektur aus.

    Die Lösung kann zum Einen ‘out-of-the-box’ zur Abbildung eigener Geschäftsprozesse innerhalb von Unternehmen und Organisationen eingesetzt werden, ohne dass dafür besondere Softwarekenntnisse notwendig sind. Prozessabläufe, Teams und Organisationen können über eine Web-Oberfläche und den Eclipse basierten Workflow-Modeler konfiguriert werden.

    http://www.office-workflow.de

    Ralph Soika
  2. 2. September 13th, 2011

    Ich war heute auf dem Workshop der BonitaSoft in München. Das Subskription Package (SP) kostet pro Jahr 9000€. Bei einer Laufzeit von 3 Jahren: 7000€

    Die Suite macht durchweg einen guten optischen Eidruck. Nach dem Download und etwas zögerlichem Start liegt ein liebevoll angerichtetes Menü vor dem BPM-Feinschmecker, welches er sofort und mit Hilfe von griffbereiten mitgelieferten Besteck in Ruhe geniessen kann. Bis hin zu den Webseiten der Community ist alles schlicht, kompakt und übersichtlich gehalten.

    Mein Fazit: Bei komplexen Projekten, insbesondere bei der GUI und Deployment wird man die gutgemeinte kurze Leine des Tools eher als störend empfinden. Dann wird es unappetitlich. Für Lösungsanbieter ist das eher ungeeignet.

    Für Unternehmen, die es für interne Zwecke einsetzen und wenig IT-Knowhow haben, ist BonitaSoft eine gute Wahl.

    Alexander Enns
  3. 3. Februar 21st, 2012

    Great beat ! I would like to apprentice whilst you amend your website, how can i subscribe for a weblog website? The account aided me a applicable deal. I have been a little bit acquainted of this your broadcast offered bright clear concept

Trackbacks

Leave a comment, a trackback from your own site or subscribe to an RSS feed for this entry. Trackback URL for this entry Comments feed for this entry

Leave a response

Leave a URL

Preview