BPMRR – Geht BPM auch ohne N

Ich freue mich sehr, dass sich einige entschlossenen BPM Verfechter zusammengeschlossen haben um nach dem Berliner Vorbild eine BPM Offensive an Rhein und Ruhr ins Leben zu rufen. Nachdem ich die erste Veranstaltung leider verpasst habe, da ich auf dem Weg nach Dortmund im Stau stand, konnte ich glücklicherweise an der zweiten Veranstaltung in Leverkusen teilnehmen. Im gesamten war es eine gelungene und interessante Diskussion. Eine Nachlese des Abends finden Sie auf www.bpmrr.de.

Ich möchte hier ein paar meiner Persönlichen Highlights des Abends vorstellen. Das Thema des Abends lautete “Geht BPM auch ohne N”. In vier Kurzvorträgen sollten verschiedenen Perspektiven vorgestellt werden, um im Anschluss in einer offenen Diskussion diese Positionen zu beleuchten.  Leider gab es keine offensiven Lager für oder gegen die BPMN. Der Tenor war sowohl in den Kurzvorträgen als auch in der Diskussion ähnlich. BPMN ist gut, aber je nach dem was man damit machen möchte fehlt noch einiges und anderes ist überflüssig.

Im Bereich der technischen Ausführbarkeit von BPMN mit einem BPM-System wurde bemängelt, dass von Interoperabilität trotz Standardisierung nicht die Rede sein kann. Es wurde auch von der Gruppe bestätigt, dass viele Tools noch am Anfang von BPMN 2.0 stehen. Durch die Vielzahl der möglichen Events und Gateways ist die Entwicklung einer Process-Engine sehr komplex und aufwendig. Andersherum muss man aber auch sagen, dass nach dem offiziellen Release der BPMN 2.0 erst ein gutes Jahr vergangen ist. Vielleicht sollte man den Toolherstellern einfach noch etwas Zeit geben. Einige Hersteller, wie z.B. Saperion, arbeiten auch schon an einer Wunschliste für ein BPMN 2.1.

Das BPMN 2.0 nicht komplex sein muss, wenn man mit dem Fachbereich Prozessmodelle erstellen möchte wurde ebenfalls bestätigt. Viele der Diskussionsteilnehmer arbeiten mit einer eingeschränkten Symbolpalette. Ich empfinde das nicht als Manko der BPMN. Denn sollte mir doch irgendwann mal ein Konstrukt fehlen ist es gut zu wissen, dass ich für besondere Situationen noch ein Ass im Ärmel habe und auf die erweiterte bis vollständige Symbolpalette der BPMN zurückgreifen kann.

Eine für mich sehr interessante Diskussion war das Thema Prozesslandkarte:

Wo sind die Möglichkeiten innerhalb des Standards, die nun modellierten Prozesse in einer strukturierten Prozesslandkarte abzulegen und wie können gerade auch Organisationsstrukturen darin abgebildet werden?

Hier sehe ich ein Problem der BPMN. Nicht weil BPMN keine Prozesslandkarten unterstützt, sondern weil viele versuchen Prozesslandkarten mit BPMN zu erstellen. Man sollte klar abgrenzen, dass BPMN nicht geeignet ist für:

  • die oberen Ebenen (hohe Abstraktion, wenig Details) einer Prozesslandkarte
  • zur Abbildung von Organisationsstrukturen
  • zur Abbildung von Datenmodellen

BPMN ist dazu gedacht Prozesse zu beschreiben und setzt den Fokus auf den Austausch zwischen Fachbereich und Technik (Thema: Roundtrip). Daher kann man BPMN sehr gut für die detaillierten Ebenen einer Prozesslandkarte verwenden, wenn es darum geht Prozesse im Detail zu erfassen und zu dokumentieren bzw. bei Bedarf über eine Process-Engine steuern zu lassen. Ein Standard der alle oben genannten Bereiche abdeckt wäre wohl die berühmt berüchtigte eierlegende Wollmilchsau.

Als Fazit habe ich ebenfalls mitgenommen, dass der Hype um BPMN nur teilweise berechtigt ist. Die BPMN ist zwar für den einen oder anderen Anwendungsfall noch nicht ausgereift, nichts desto trotz ist sie aktuell der beste vorhandene Standard um Prozessmodelle zu erstellen.

Management – Was steckt dahinter?

Um mal wieder ein wenig über den Tellerrand des BPM hinaus zu schauen, wollte ich mir einen Überblick zum Thema Management verschaffen. Wenn ich schon Prozessmodelle für das Management modelliere und beratend zur Seite stehe möchte ich auch das Management (unabhängig von einzelnen Personen) näher kennenlernen.

Im Buch „Management“ von Ulrich Sailer (Schäffer-Poeschel Verlag) habe ich ein umfassendes und gut geschriebenes Kompendium gefunden, welches mir Einblicke in die verschiedenen Managementtheorien verschaffen konnte.

Im Buch selbst werden keine neuen Tricks oder Tools aufgezeigt, sondern es ist wirklich ein Kompendium bestehender Methoden, die teilweise schon seit Dekaden bekannt sind. Diese Modelle werden erläutert, kurz analysiert und auf die Praxistauglichkeit in dem heutigen komplexen Unternehmensumfeld geprüft. Von Anfang an liegt der Fokus auf komplexen Systemen und der Nachhaltigkeit, die ein gutes Management anstreben sollte.

Die ersten Kapitel sind für alle interessant, die sich noch nicht allzu viel mit erfolgreichen Managern und Managementtheorien auseinander gesetzt haben. Es werden viele erfolgreiche Manager vorgestellt, ihre „Erfolgsrezepte“ beschrieben und kritisch beleuchtet. Im Nachgang findet man die Ansätze aus der Theorie, der Lehre und Forschung, die auch einiges zum Thema „erfolgreiches Management“ beisteuern möchte und kann.

Die darauffolgenden Kapitel betrachten die heutigen Unternehmen, das Umfeld und diskutieren „unmanageable systems“. Hierbei wird immer wieder die Rolle des Management betrachtet und wie systemisches Denken und der Sprung über mehrere Wissenschaftsgebiete hinaus einen Mehrwert schaffen kann, der Nachhaltig wirkt. Durch die Betrachtung der verschiedenen Aspekte und den Schreibstil des Autors wird man selbst ständig zum kritischen Leser und möchte die Ansätze hinterfragen, mehr erfahren und weiter lesen. Der Autor hat sich hier bewusst nicht auf DEN Ansatz festgelegt, da es einfach keine Universallösung gibt. Aber durch den Einblick, das stetige für und wider wird man selbst in die Lage versetzt die gewonnen Erkenntnisse zumindest in der Theorie auf sein eigenes bekanntes Umfeld zu übertragen.

Im Anschluss werden verschiedene Methoden und Tools zum Thema Planung, Ausrichtung, Controlling, Organisationsgestaltung, Personalführung vorgestellt. Durch die Beispiele, Praxisverweise und Referenzen auf viele Originalquellen merkt man dem Autor die jahrelange Praxiserfahrung an.

Durch den frischen Schreibstil, viele Referenzen und Beispiele sowie der, Zusammenfassungen die beschreiben was man auf den nächsten Seiten lesen wird und den Reflexionen am Ende eines Abschnitts werden die verschiedenen Themengebiete des Buches sehr schön strukturiert.

Dieses Buch kann ich jedem empfehlen, der sich mit dem Thema Management beschäftigen möchte und auch vielen Managern, die schon Jahre auf ihrem „Chefsessel“ sitzen und manchmal vergessen was den ihre eigentliche Aufgabe ist. Aber vor allem noch jungen Managern, die vor großen und nicht überschaubaren Herausforderungen stehen, können sich hier den einen oder anderen Hinweis finden.

Buchdaten:

Ulrich Sailer
Management
Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2012

ISBN 978-3-7910-3177-4

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